Business

Tech-Chefin löst Debatte über Chinas Arbeitskultur aus

Suchmaschinenriese Baidu entlässt PR-Chefin nach Empörung unter Gen Z-Mitarbeitern.

Eulerpool News 10. Mai 2024, 16:00

Der jüngste Vorfall bei dem chinesischen Technologieriesen Baidu, bei dem die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit nach einer Kontroverse entlassen wurde, hat weitreichende Diskussionen über die Arbeitskultur in Chinas Technologiebranche ausgelöst. Qu Jing, die betroffene Vizepräsidentin bei Baidu, hatte auf der Social-Media-Plattform Douyin, dem chinesischen Pendant zu TikTok, Videos veröffentlicht, in denen sie ihre strenge Führungsmethode darlegte und dabei wenig Empathie für die persönlichen Belange ihrer Mitarbeiter zeigte.

In den Videos äußerte sich Qu abfällig über Mitarbeiter, die nicht am Wochenende arbeiten wollten, und zeigte kein Verständnis für einen Mitarbeiter, der sich darüber beschwerte, dass nächtliche Nachrichten sein weinendes Kind geweckt hätten. „Warum sollte es mein Problem sein, dass dein Kind weint?“, sagte sie in einem der Videos. Diese Äußerungen lösten eine Welle der Empörung unter der Generation Z in China aus, die sich zunehmend gegen die gnadenlose Arbeitskultur in der Technologiebranche stellt.

Als die öffentliche Kritik eskalierte, löschte Qu die Videos und ersetzte sie durch eine Entschuldigung. Sie räumte ein, dass sie zu ungeduldig gewesen sei und keinen angemessenen Ansatz gewählt habe. Trotzdem entschied Baidu sich für ihre Entlassung. Robin Li, der CEO von Baidu, war über die Äußerungen so verärgert, dass er Qu am Donnerstag feuerte. Die Unternehmensleitung betonte, dass Qu's Kommentare nicht die tatsächliche Kultur und Werte von Baidu widerspiegelten und versprach, die Unternehmenskultur und Arbeitsweisen zu überprüfen.

Dieser Vorfall spiegelt eine breitere Unzufriedenheit mit der sogenannten "996"-Arbeitskultur in China wider, die von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, sechs Tage die Woche, reicht. Jüngere Chinesen setzen sich zunehmend mit Konzepten wie „Lying Flat“ (sich hinlegen) und „Letting It Rot“ (es verrotten lassen) gegen diese Arbeitsbelastungen zur Wehr. Der Vorfall hat auch die Aufmerksamkeit der staatlichen Medien erregt, die die brutale „Wolfkultur“ kritisierten, die sie als Nebenprodukt der Marktwirtschaft des Landes sehen.

Die Aktien von Baidu fielen in den USA um mehr als 6% und in Hongkong um 3%, da das Unternehmen mit den Nachwirkungen des Vorfalls kämpfte. Dieser Vorfall wird wahrscheinlich weiterhin Diskussionen über die Arbeitsbedingungen in der schnelllebigen Technologiebranche Chinas anregen.

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