Levermann Strategie

Levermann Aktienanalyse: Susan Levermann war eine der erfolgreichsten Fondsmanagerinnen Deutschlands (DWS). Dort hat sie 1,7 Mrd. Euro verwaltet und wurde viele Jahre für den besten Aktienfonds Deutschlands. 2011 hat sie ihre Strategie in dem Bestseller “Der entspannte Weg zum Reichtum” beschrieben. Sie erzielte damit über mehrere Jahrzehnte 22% Rendite p.a.

Mit 13 Kennzahlen zum Erfolg. Die Levermann Strategie beruht auf 13 Kennzahlen, die mit +1, 0 oder -1 Punkten bewertet werden. Hierbei werden Kriterien von Finanzierung über Analystenmeinungen bis Wachstumsraten betrachtet.

Vier gewinnt. Die Ausführung der Strategie läuft wie folgt: Sollte eine Aktie 4 oder mehr Punkte erreichen, gilt diese als kaufenswert. Fällt die Aktie unter die 4 Punkte, wird sie wieder verkauft. Die Kennzahlen sollen alle 2 Wochen überprüft werden, wodurch die Strategie eher als aktive Strategie einzustufen ist.

10 bis 30 Aktien ist diversifiziert. Susan Levermann äußert sich auch zum Thema Diversifizierung. Man sollte zwischen 10 und 30 Aktien im Portfolio haben, am besten aus verschiedenen Sektoren und Branchen.

1. Eigenkapitalrendite

Rentabilität eines Unternehmens. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) befasst sich mit dem Verhältnis von Gewinn zu Eigenkapital. Mit der Eigenkapitalrendite können Investoren die Rentabilität des Unternehmens überprüfen. Hier kann man erkennen, wie sich das Eigenkapital eines Unternehmens über das letzte Jahr verzinst hat.

Wenn ein Unternehmen wächst, müssen neue Grundstücke gekauft werden, Immobilien müssen gebaut werden, Maschinen und Ausrüstung müssen bezahlt werden und Mitarbeiter müssen eingestellt werden. Für die Finanzierung dieser Ausgaben ist eine hohe Eigenkapitalverzinsung notwendig.

Zur Berechnung: Microsoft hatte 2020 ein Eigenkapital von 118 Mrd. USD, davon wird der Goodwill abgezogen (- 43 Mrd. USD) und man erhält das greifbare Eigenkapital von 75 Mrd. USD. Jetzt dividiert man den Nettogewinn durch das greifbare Eigenkapital und erhält die Eigenkapitalrendite (44 Mrd. USD / 75 Mrd. USD = 58,7 %).

Punktevergabe:
Punkte Eigenkapitalrendite
+1 > 20 %
0 10 % - 20 %
-1 < 10 %

2. EBIT-Marge

Rentabilitätsvergleich ohne Steuern und Finanzierungen. Diese Kennzahl setzt das operative Ergebnis in ein Verhältnis mit dem Umsatz, wodurch Investoren erkennen können, wie profitabel das Unternehmen arbeitet.

Das operative Ergebnis bringt den wichtigen Vorteil, dass Aktien international verglichen werden können. Hierbei werden Steuern und Zinsen des jeweiligen Landes nicht beachtet. Umso höher die EBIT-Marge ausfällt, desto besser kann ein Unternehmen Umsatzrückgänge verkraften.

Zur Berechnung: Man dividiert das EBIT durch den Umsatz und multipliziert mit 100. Bei Microsoft wurden 2020 ein Umsatz von 143 Mrd. USD und ein EBIT von 52 Mrd. USD erwirtschaftet. (52 Mrd. USD / 143 Mrd. USD * 100 = 36.4 %)

Punktevergabe:
Punkte EBIT-Marge
+1 > 12 %
0 6 % - 12 %
-1 < 6 %

3. Eigenkapitalquote

Finanzielle Stabilität. Mit der Eigenkapitalquote prüft die Levermann Strategie die finanzielle Stabilität des Unternehmens. Je höher diese ist, desto solider ist das Unternehmen finanziert. Eine niedrige Eigenkapitalquote signalisiert, dass das Unternehmen mehr durch Schulden finanziert wird und daher abhängig von Fremdkapitalgebern ist.

Finanzwerte haben oftmals eine deutlich geringere Eigenkapitalquote, da sie durch ihr Geschäftsmodell sehr viel Fremdkapital besitzen. Zyklische Unternehmen sind deutlich gefährdeter bei einer niedrigen Eigenkapitalquote, da es in einer Krise schnell dazu kommen kann, dass man die Zinsen nicht mehr zahlen kann.

Zur Berechnung:
Hier dividiert man das Eigenkapital durch das Gesamtkapital und multipliziert mit 100. Microsoft hatte 2020 ein Eigenkapital von 118 Mrd. USD und ein Gesamtkapital von 301 Mrd. USD. (118 Mrd. USD / 301 Mrd. USD * 100 = 39,2 %)

Punktevergabe:
Punkte Eigenkapitalquote
+1 > 25 %
0 15 % - 25 %
-1 < 15 %

4. KGV 5 Jahre

Vergangenheit + Prognose. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den aktuellen Wert einer Aktie mit dem Gewinn pro Aktie in Relation. Diese Kennzahl gibt an, nach wie vielen Jahren das Unternehmen den Aktienkurs erwirtschaftet hat.

Beim 5 Jahres KGV betrachtet man die vergangenen 3 Geschäftsjahre, das aktuelle Jahr und die Prognosen für das kommende Jahr. Jedoch sollte man beim KGV auch immer die Wachstumsraten betrachten. Ein niedriges KGV deutet nicht sofort auf ein erstklassiges Unternehmen hin.

Zu Berechnung: Wir nehmen also bei Microsoft die Gewinne pro Aktie der Jahre 2019 bis 2021 (5,06 USD | 5,76 USD | 8,05 USD), die Prognose von diesem Jahr (9,39 USD) und die Prognose des kommenden Jahres (10,7 USD). Dann berechnet man den Durchschnittswert und teilt als letztes den aktuellen Kurs durch den Gewinn pro Aktie. Microsoft kommt zum aktuellen Kurs von 308 USD auf ein 5 Jahres KGV von 39,4.

Punktevergabe:
Punkte KGV 5 Jahre
+1 0-12
0 12-16
-1 > 16 oder < 0

5. KGV forward

Gewinnprognosen nutzen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Man betrachtet nur die Schätzungen für das aktuell laufende Jahr. Die durchschnittlichen EPS Prognosen liegen derzeit bei 9,34 USD. Wenn wir den Kurs durch diesen Wert teilen, erhalten wir ein forward (zukünftiges) KGV von 32,9.

Punktevergabe:
Punkte KGV forward
+1 0-12
0 12-16
-1 > 16 oder < 0

6. Analystenmeinungen

Einschätzungen als Kontraindikator. Die Levermann Strategie schaut sich bei diesem Kriterium die Analystenmeinungen an und verwendet quasi genau das Gegenteil der Mehrheitsmeinung, da diese genau das widerspiegeln, was der Markt annimmt. Daher gibt es auch keine großen Kursbewegungen bei bestätigten Erwartungen.

Die Erwartungen werden in drei Stufen eingeteilt: Kaufen=1, Halten=2, Verkaufen=3. Der Durchschnittswert ist hier gefragt. Einen Pluspunkt gibt es, wenn die Mehrheit der Analysten Verkaufen sagt.

Punktevergabe:
Punkte Durchschnittswert
+1 >= 2,5
0 1,5 - 2,5
-1 <= 1,5
Punktevergabe bei Small-Caps:
Punkte Durchschnittswert
+1 <= 1,5
0 1,5 - 2,5
-1 >= 2,5
(Bei Small Caps (Marktkapitalisierung 300 Mio. USD bis 2 Mrd. USD) mit maximal fünf Analystenmeinungen wird die Annahme als glaubwürdig eingestuft. Somit wird hier nicht das Gegenteil angenommen.)

7. Reaktion auf Quartalszahlen

Quartalszahlen als Indikator zum Gesamtmarkt. Die Levermann Strategie schaut bei diesem Kriterium auf die Entwicklung des Kurses in Relation zum Referenz-Index.

Punktevergabe:
Punkte Kursentwicklungsverhältnis
+1 > 1 %
0 -1 % - 1 %
-1 < -1 %

8. Gewinnrevision

Kurzfristige Nachrichten sorgen für Veränderungen. Oftmals passen die Analysten ihre Einschätzungen an, sobald es News oder andere fundamentale Änderungen bei dem jeweiligen Unternehmen gibt. Genauer gesagt schaut die Levermann Strategie erneut auf den Gewinn pro Aktie für das aktuelle und kommende Geschäftsjahr.

Hat sich die Meinung innerhalb der letzten 4 Wochen um mehr als 5 % bewegt, gibt es einen Pluspunkt oder einen Punktabzug.

Punktevergabe:
Punkte Gewinnrevision
+1 > 5 %
0 -5 % - 5 %
-1 < -5 %

9. Kurs heute vs. Kurs vor 6 Monaten

Kursentwicklung. Dieses Kriterium lässt sich relativ einfach nachschauen. Man betrachtet die Kursveränderung der letzten 6 Monate.

Punktevergabe:
Punkte Kursentwicklung (6 Monate)
+1 > 5 %
0 -5 % - 5 %
-1 < -5 %

10. Kurs heute vs Kurs vor 1 Jahr

Jahresperformance. Hier wird der aktuelle Kurs mit dem Kurs von vor einem Jahr verglichen.

Punktevergabe:
Punkte Jahresperformance
+1 > 5 %
0 -5 % - 5 %
-1 < -5 %

11. Kurs heute vs Kurs vor 1 Jahr

Trendwende im Kursverlauf. Die 11. Kennzahl lässt sich aus den Punkten zwei vorheriger Kriterien errechnen. Man schaut, ob es in den letzten 6 Monaten eine Trendumkehr im Kursverlauf gab. Dafür betrachtet man Kriterium 9 und 10.

Punktevergabe:
Punkte Kriterum 9 und 10
+1 9 = 1 Punkt, 10 = 0 oder -1 Punkt
0 keins trifft zu
-1 9 = -1 Punkt, 10 = 0 oder 1 Punkt

12. Kurs heute vs Kurs vor 1 Jahr

Unterrendite als Indikator. Die Levermann Strategie berechnet, wie sich die Aktie in den letzten 3 Monaten in Relation zum Vergleichsindex entwickelt hat. Dieses Kriterium wird allerdings nur bei Large Cap Unternehmen (10 Mrd. USD bis 200 Mrd. USD) angewendet.

Punktevergabe:
Punkte Performance pro Monat
+1 < Vergleichsindex
0 keins trifft zu
-1 > Vergleichsindex

13. Gewinnwachstum

Wachstum darf nicht fehlen. Die Wachstumsraten sind sehr entscheidend, wenn man ein Unternehmen bewertet, da künftige Gewinne mehr Cash Flow generieren. Man schaut sich also das prognostizierte EPS für das nächste Geschäftsjahr (N) an und vergleicht dieses mit dem prognostizierten EPS für das aktuelle Jahr (A).

Punktevergabe:
Punkte EPS N - EPS A
+1 > 5 %
0 keins trifft zu
-1 > -5 %