Eulerpool Research Systems
Green

Die Lücken der ESG-Richtlinien

Das ESG-Label dient vor allem dazu, Anlagegelder anzulocken; Fondmanager verwalten ihr eigenes Kapital anders

Von Eulerpool News

ESG-orientierte Anlagen sind längst zu einem allseits beliebten Thema geworden.

Unternehmen suchen sich Mitarbeiter danach aus, Sparer und Großinvestoren fordern eine entsprechende Ausrichtung und Vermögensverwalter versprechen, bei der Geldanlage darauf zu achten.

Dieser Trend konnte auch in den letzten Jahren beobachtet werden, als viel Geld in ESG-Fonds floss. Doch so unstrittig, wie es scheint, sind die damit versehenen Anlagen nicht.

Daniel Stelter, Experte auf dem Gebiet, kritisiert die Kriterien, nach denen die sogenannten ESG-Label vergeben werden und zitiert dabei den Nobelpreisträger Milton Friedman, der die einzige soziale Verantwortung von Unternehmen als die Steigerung ihrer Gewinne bezeichnete.

In den USA ist ESG mittlerweile in den Fokus der politischen Auseinandersetzung geraten. Während die Demokraten die Bevorzugung von Anlagen nach ESG-Kriterien befürworten, fordern Republikaner Pensionsfonds auf, Gelder von ESG-Fonds abzuziehen. Selbst US-Präsident Joe Biden musste ein Anti-ESG-Gesetz mit einem Veto stoppen. Der Niedergang der ESG zertifizierten Credit Suisse, aufgrund von eklatanten Mängeln der Corporate Governance unterstreicht die Schwächen der ESG-Einstufungen.

Hier kommt dann auch die Frage auf, ob Fondsmanager an die Überlegenheit von ESG-konformer Geldanlage glauben.

Vitaly Orlov von der Universität St. Gallen hat in einer Studie gezeigt, dass das Anlageverhalten von Fondsmanagern, die eigenes Geld mit verwalten, bezüglich ESG anders ist als bei reiner Verwaltung von Kundengeldern. Wenn ein Vermögensverwalter viel von seinem eigenen Geld mit dem Geld der Anleger zusammen investiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er so investiert, dass Risiko und Ertrag optimiert sind. Ein Blick auf die Renditen verschiedener Geldanlagen im Jahr 2022 beweist, dass jene, die nicht an die Grundsätze des ESG gebunden waren, eine bessere Rendite-Chance hatten.

Kaum jemand wünscht sich eine Rückkehr zu den Vorstellungen von Milton Friedman. Dennoch sollten wir uns ernsthaft die Frage stellen, ob ESG, so wie es heute praktiziert wird, mit Versprechungen, die nicht ernst gemeint sind, und fragwürdigen Kriterien Anlegern und Gesellschaft nicht vielleicht mehr schadet als nutzt.

Mach deine besten Investments. Werde professioneller Investor.

Abonnieren für 1 € / Monat

Eulerpool News