Hohe Lohnkosten, gestiegene Steuern sowie verhaltener Konsum treiben zahlreiche britische Unternehmen immer stärker in finanzielle Bedrängnis. Bereits im vergangenen Herbst kündigten Berater und Insolvenzverwalter einen deutlichen Anstieg von Restrukturierungen an – nun scheint er Realität zu werden. Nach Schätzungen von Begbies Traynor könnten 2025 mehrere tausend Betriebe das Handtuch werfen, nachdem sie jahrelang versucht haben, sich durch Niedrigzinsen und Stundungen zu retten.
Während das Retail-Segment die Folgen der schwachen Verbraucherstimmung besonders spürt, geraten auch produzierendes Gewerbe und Bauwirtschaft in eine brenzlige Lage. Überhöhte Energiekosten, höhere Zinsen und gestörte Lieferketten treffen oft ohnehin knappe Margen. Insolvenzen in diesen Branchen stiegen laut Kroll um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
„Viele Firmen haben während der Pandemie günstig refinanziert“, sagt David Fleming von KR8 Advisory. „Doch mit steigenden Zinsen und höheren Betriebskosten laufen Ausgaben aus dem Ruder. Wer jetzt kein Eigenkapital mobilisieren kann, dem drohen harte Schnitte.“
Zwar bleiben für größere Unternehmen professionelle Beratungen erschwinglich. Kleineren Betrieben indes fehlen oft die Mittel für einen geordneten Umbau – und sie rutschen rascher in die Zahlungsunfähigkeit. Bei Petersham (UK) Limited, Betreiber zweier Londoner Restaurants, führten vielfältige Belastungen und die jüngsten staatlichen Abgaben zu Schließungen.
Restrukturierungsspezialisten wie Alvarez & Marsal beobachten eine beunruhigend steigende Zahl sogenannter „Zombie-Unternehmen“, die bisher allein durch gestundete Kredite und Kulanz der Gläubiger überlebten. Doch Gläubiger und Lieferanten zeigen inzwischen weniger Nachsicht und fordern ihr Geld ein.
Parallel mehren sich Konjunkturängste in Europa angesichts verschärfter Handelsspannungen. Donald Trumps wiederholte Drohungen, US-Firmenproduktion zu repatriieren, könnten Großbritannien und der EU neue Exporteinbrüche bescheren. Damit dürfte die Drucksituation auf Produktionsbetriebe und Dienstleister weiter steigen.