Technology

Untersuchungsbericht enthüllt schwere Unfälle bei SpaceX

Elon Musks extreme Ambitionen bei SpaceX schaffen eine riskante Arbeitsumgebung, in der Ziele Mitarbeitergesundheit übertrumpfen.

Eulerpool News 24. Nov. 2023, 13:36

Mehrfach-Milliardär Elon Musk sorgt durch seine kontroversen Äußerungen und eigenwilligen Zielsetzungen regelmäßig für Aufsehen. Doch bei seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX haben seine extremen Ambitionen in den vergangenen Jahren möglicherweise eine gefährliche Arbeitsumgebung geschaffen. Bei SpaceX wird das Erreichen von Zielen über das Leben und die Gesundheit der Mitarbeiter gestellt. Der Tesla-Chef hat sich das Ziel gesetzt, die Menschheit eines Tages zum Mars zu bringen und das Leben multiplanetarisch zu machen. Momentan ist dafür allerdings noch viel Arbeit nötig, denn das Raketensystem "Starship" hat kürzlich bei einem zweiten Testflug erneut versagt.

Für den ehrgeizigen Unternehmer ist das jedoch kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil, Musk äußerte, dass der jüngste Test trotz Explosion dazu beitragen werde, die Zuverlässigkeit von "Starship" zu verbessern. "Elons Konzept, dass SpaceX auf einer Mission ist, so schnell wie möglich zum Mars zu fliegen und die Menschheit zu retten, durchdringt jeden Teil des Unternehmens", sagte der ehemalige SpaceX-Mitarbeiter Tom Moline kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Dieses Ziel stehe bei SpaceX an erster Stelle - sogar über der Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter.

Moline, der von SpaceX entlassen wurde, nachdem er sich über die mangelnde Sicherheit am Arbeitsplatz beschwert hatte, betonte, dass für das Unternehmen die Rettung der Menschheit eine Rechtfertigung dafür sei, "alles auszublenden, was der Erreichung dieses Ziels im Weg stehen könnte, einschließlich der Sicherheit der Arbeitnehmer". Laut "Reuters" gaben auch andere Mitarbeiter an, dass SpaceX bereit sei, Arbeitnehmerschutzmaßnahmen zu ignorieren, um einen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern zu erlangen und lukrative Regierungsaufträge zu erhalten. Bei einer ausführlichen Recherche von "Reuters", bei der Gerichtsdokumente, Klagen von Mitarbeitern, medizinische Aufzeichnungen, Notrufprotokolle und interne Unfallprotokolle des Unternehmens ausgewertet wurden, wurde deutlich, dass es anscheinend tatsächlich höchst gefährlich ist, bei SpaceX zu arbeiten. Das Unternehmen scheint außerdem viele Unfälle unter den Teppich zu kehren.

Laut "Reuters" gilt die Arbeit in der US-Raumfahrtindustrie generell als gefährlich, jedoch liegt die Unfallquote bei SpaceX weit über dem Branchendurchschnitt. Während dieser bei 0,8 Unfällen pro 100 Mitarbeitern liegt, waren es bei SpaceX im Jahr 2022 am Standort Brownsville 4,8 Unfälle pro 100 Mitarbeitern und 21,5 Unfälle pro 100 Mitarbeitern am Standort Kennedy Space Center im Jahr 2016. Es ist jedoch anzunehmen, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist, da viele Unfälle offenbar nicht angemessen dokumentiert wurden.

Seit 2016 müssen alle Arbeitsunfälle jährlich an die US-Behörde für Arbeitssicherheit (Occupational Safety and Health Administration, OSHA) gemeldet werden. Zwischen 2017 und 2020 reichten jedoch keine der SpaceX-Standorte diesen Bericht ein. Nur für die Jahre 2016, 2021 und 2022 wurden einige, aber nicht alle, Berichte bei der Behörde eingereicht. "Reuters" fand jedoch bei eigenen Recherchen mindestens 600 bislang nicht gemeldete Unfälle an insgesamt sechs SpaceX-Standorten seit 2014.

Diese Unfälle umfassen "Berichte über mehr als100 Arbeiter mit Schnitt- oder Schürfwunden,29 mit Knochenbrüchen oder Ausrenkungen, 17 mit 'gequetschten Händen oder Fingern' und neun mit Kopfverletzungen, darunter ein Schädelbruch, vier Gehirnerschütterungen und ein Schädel-Hirn-Trauma. Außerdem gab es fünf Verbrennungen, fünf Stromschläge, acht Unfälle, die zu Amputationen führten, zwölf Verletzungen mit mehreren nicht näher bezeichneten Körperteilen und sieben Arbeiter mit Augenverletzungen". Darüber hinaus gab es auch zahlreiche Fälle von weniger schweren Verletzungen wie Zerrungen oder Verstauchungen. Es gab auch einen Todesfall bei SpaceX. Im Jahr 2014 starb ein Mitarbeiter beim Standort in McGregor, Texas, aufgrund einer Kopfverletzung, nachdem er durch eine Windböe von der Ladefläche eines Lastwagens geweht wurde. Er sollte zusammen mit seinen Kollegen Schaumisolierungen transportieren, jedoch wurden keinerlei Befestigungsriemen zur Sicherung der Ladung zur Verfügung gestellt, weshalb er versuchte, diese während der Fahrt mit seinem Körper zu sichern.

Ein weiterer SpaceX-Mitarbeiter liegt laut "Reuters" seit 2022 im Koma, nachdem er bei einem Testlauf von einem Teil einer Maschine am Kopf getroffen wurde. Das betroffene Maschinenteil war bereits im Vorfeld als fehlerhaft bekannt, konnte jedoch vor dem Testlauf nicht mehr ausgetauscht werden. Der Nachrichtenagentur zufolge wurden SpaceX nur geringe Strafen in Höhe von höchstens fünfstelligen Beträgen für Unfälle auferlegt, die auf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen sind. Wie "Reuters" berichtet, zeigen die untersuchten Dokumente deutlich, dass die Sicherheitsstandards an den SpaceX-Standorten unzureichend sind.

Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter beschreiben die Arbeit bei SpaceX zudem als "chaotisch". Neue Mitarbeiter wurden oft unzureichend geschult und ausgerüstet und mussten auch Aufgaben übernehmen, für die sie nicht qualifiziert waren. Einem Arbeiter ohne Erfahrung wurde zum Beispiel einmal Schweißerwerkzeug in die Hand gedrückt. Darüber hinaus seien Mitarbeiter oft übermüdet und missachten routinemäßig grundlegende Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der aggressiven Deadlines von SpaceX-Gründer Elon Musk. Tom Moline sagte gegenüber "Reuters", dass Musks enge Beteiligung an der Terminplanung zu "deutlich unsichereren Arbeitsbedingungen" führt als sonst.

Elon Musk selbst soll bei seiner Anwesenheit teilweise ein Sicherheitsrisiko darstellen. Bei mehreren Gelegenheiten habe er auf dem Firmengelände von SpaceX mit dem Flammenwerfer-Gadget seiner Tunnelbaufirma The Boring Company gespielt, auch in geschlossenen Räumen.

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