Deutscher Geschäftsmann in russischer Haft: Flucht in die Moskauer Botschaft endet ohne Erfolg

7.6.2024, 08:00

Nervenkrieg in Moskauer Botschaft: Deutscher Geschäftsmann sucht stundenlang Schutz – mehrjährige Haftstrafe droht.

Eulerpool News 7. Juni 2024, 08:00

Nach Informationen des SPIEGEL suchte der deutsche Geschäftsmann Ralph Nowak in einem dramatischen Vorfall Zuflucht in der Deutschen Botschaft in Moskau. Nowak, der in einem umstrittenen Verfahren zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, verbrachte stundenlang Schutz auf dem Botschaftsgelände, bevor er dieses nach Mitternacht freiwillig verließ.

Nowak, der seit Jahren in Russland lebt, war Ende 2022 verhaftet worden und zunächst in Untersuchungshaft. Vor kurzem stand er unter Hausarrest, bevor er sich vor dem drohenden Urteilsspruch zur Deutschen Botschaft begab. Eine Richterin des Tuschinskij-Bezirksgerichts verurteilte Nowak in Abwesenheit zu fünf Jahren Straflager und einer Geldstrafe von 800.000 Rubel (umgerechnet rund 8.000 Euro) wegen Betrugs im großen Stil.

Für die deutschen Diplomaten stellte der Fall eine heikle Situation dar. Obwohl es keine rechtliche Grundlage für Asyl in Wirtschaftsstrafverfahren gibt, hoffte Nowak offenbar auf Schutz vor der Haftstrafe. Das Wiener Übereinkommen verpflichtet Botschaften, geflohene Staatsbürger an die lokalen Behörden zu übergeben. Das Auswärtige Amt wollte sich nicht zu dem Fall äußern und verwies auf den Persönlichkeitsschutz.

Der Prozess gegen Nowak ist komplex und umstritten. Ihm und einem russischen Staatsbürger wird vorgeworfen, ein Aktienpaket des Carsharing-Unternehmens BelkaCar veruntreut und unter Wert verkauft zu haben. Die Ermittlungen gegen Nowak stehen in Verbindung mit weiteren Verdächtigen, darunter der Deutsche Fabian Kröher und der russische Geschäftsmann Boris Simin, beide ebenfalls im Visier der russischen Sicherheitsbehörden.

Simin, bekannt als Unterstützer der Opposition und des inzwischen verstorbenen Alexej Nawalny, vermutet politische Motive hinter der harten Verfolgung. Er glaubt, die russischen Behörden nutzten den Fall, um ihn wegen seiner politischen Aktivitäten zu belangen. Auch Nowaks Anwalt Konstantin Jelfimow sieht seinen Mandanten als Instrument im Kampf gegen Simin.

Die Anklage wurde ursprünglich von Benedikt Sobotka, einem ehemaligen Geschäftspartner von Nowak und Kröher, angestoßen. Sobotka hatte in der Vergangenheit vergeblich versucht, Zivilverfahren gegen seine ehemaligen Partner in verschiedenen europäischen Staaten zu initiieren. In Russland erstattete er mehrfach Anzeige, die Behörden wurden jedoch erst aktiv, als Simins Name in den Akten auftauchte.

Während des Prozesses blieb Sobotka, der das Verfahren ins Rollen gebracht hatte, dem Gericht fern. Nowak, der auf eine Bewährungsstrafe gehofft hatte, bestreitet seine Schuld ebenso wie der Mitangeklagte Ilnur Asmuchanow. Beide wurden ohne ausreichende Beweise und ohne Zeugen verurteilt, so Kröher.

Nowak wird sehr wahrscheinlich Einspruch gegen das Urteil einlegen. Der Fall zeigt die schwierige Lage des Geschäftsmanns und die komplizierten deutsch-russischen Beziehungen in der aktuellen geopolitischen Situation.

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