Berichte über kritische Arbeitsbedingungen bei Fluglotsen deuten auf Sicherheitsrisiken hin

4.12.2023, 14:00

Ein Bericht der "New York Times" zeigt, dass die übermüdete und gestresste US-Fluglotsenbelegschaft aufgrund von Personalmangel zunehmend gefährliche Fehler macht.

Eulerpool News 4. Dez. 2023, 14:00

In den vergangenen Jahren häufen sich in den USA gefährliche Fehler im zivilen Luftverkehr, wie die »New York Times« in einem aktuellen Bericht enthüllt. Der Grund: Fluglotsen sind überlastet, gestresst und greifen vermehrt zu Medikamenten und Drogen, um mit dem Arbeitsdruck umzugehen. Laut der Zeitung ist die Sicherheit der Flugsicherung in den USA massiv gefährdet. Der Artikel basiert auf über 70 Interviews mit aktiven oder ehemaligen Fluglotsen, Piloten und Beamten sowie der Auswertung von tausenden Seiten an Sicherheitsberichten und internen Unterlagen.

Seit Jahren leidet die US-Flugsicherung unter einem landesweiten Personalmangel. Die noch vorhandenen Fluglotsen sind überarbeitet und machen gefährliche Fehler. Viele von ihnen müssen aufgrund knapper Budgets und jahrelanger Personalfluktuation regelmäßig Sechs-Tage-Wochen und 10-Stunden-Schichten absolvieren. Laut dem Bericht sind dadurch in den vergangenen zwei Jahren mehrmals pro Woche potenziell gefährliche Zwischenfälle aufgetreten. Einige Fluglotsen befürchten sogar, dass es zu einem tödlichen Absturz kommen könnte.

Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (F.A.A.) hat alleine im vergangenen Steuerjahr 503 Kontrollpannen als "signifikant" eingestuft - ein Anstieg um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl der Flugverkehr nur um4 Prozent gestiegen ist. Doch das Problem ist nicht neu, sondern hat sich laut der Zeitung seit der Reagan-Regierung verschärft, als Tausende streikende Fluglotsenersetzt wurden. Seitdem kämpft die Behörde damit, mit den Wellen von Pensionierungen Schritt zu halten.

Die F.A.A. selbst schätzt, dass im laufenden Haushaltsjahr mehr als 1.400 Fluglotsen ausscheiden werden - etwa 10 Prozent der gesamten Belegschaft. In den vergangenen elf Jahren ist die Zahl der voll zertifizierten Fluglotsen um 9 Prozent gesunken, während der Flugverkehr kontinuierlich ansteigt. Je nach Definition sind zwischen 63 und 99 Prozent der nationalen Flugsicherungsstandorte unterbesetzt. Dies führt zu einer Verdrei­fachung der Überstunden in den vergangenen zehn Jahren, wie die F.A.A. bestätigt.

Die "New York Times" zitiert aus einem vertraulichen Sicherheitsbericht aus dem Jahr2022, in dem ein Fluglotse aus Jacksonville von seinen erschreckenden Arbeitsbedingungen berichtet. Er schildert, wie er nach zwei Stunden Dienst hyperventilierte und kaum noch stehen konnte. Der Luftraum über Jacksonville sei einer der am stärksten frequentierten in den USA, doch die Fluglotsen seien "überarbeitet, gestresst und ernsthaft gefährdet". Er betonte: "Dieser Ort zerstört die Menschen. Wir brauchen dringend Hilfe. SOS!!"

Ein weiterer Fluglotse aus dem Raum Colorado berichtete, dass er bis zu neun Wodka-Getränke pro Nacht konsumiere, um mit Schlafstörungen und Panikattacken umzugehen, die sein Arzt auf seine Arbeit zurückführt. Ein anderer Fluglotse soll in seinen Pausen regelmäßig Marihuana konsumiert haben. Doch der Artikel macht deutlich, dass viele Fluglotsen aus Angst um ihre Jobs keine medizinische Hilfe suchen.

Die Sicherheitsregeln, die gewährleisten sollen, dass Fluglotsen geistig und körperlich gesund sind, verbieten bestimmte Medikamente. Dadurch werden Fluglotsen mit speziellen medizinischen Problemen von der Arbeit ausgeschlossen. Dies führt dazu, dass viele Fluglotsen die Einnahme notwendiger Medikamente vermeiden oder zu Alkohol und anderen Drogen greifen.

Im November war das Problem Gegenstand einer Senatsanhörung, bei der Jennifer L. Homendy, die Vorsitzende des National Transportation Safety Board, aussagte. Sie betonte, dass der Mangel an Fluglotsen in Verbindung mit den obligatorischen Überstunden zu einer Bedrohung für die Flugsicherheit geworden sei. Der psychologische Stress des Flugsicherheitssystems werde alleine auf die Schultern der Fluglotsen abgewälzt, was inakzeptabel sei.

Die Flugsicherung in den USA steht vor einer großen Herausforderung, doch angesichts der zunehmenden Verkehrsaufkommen und der schlechten Arbeitsbedingungen ist ein Umdenken und ein Handeln seitens der Verantwortlichen unbedingt erforderlich, um die Sicherheit im US-Luftverkehr zu gewährleisten.

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