Economics

5.5.2024, 13:00

Arbeitgeber sagen Nein: Schlichterspruch im Baugewerbe abgelehnt

Schlichtung gescheitert: Arbeitgeber lehnen Kompromiss ab, Gewerkschaften drohen mit massiven Streiks im Baugewerbe.

Die Ablehnung des Schlichterspruchs durch die Arbeitgeberverbände der Bauindustrie und des Baugewerbes verschärft den Tarifkonflikt in einer der größten Branchen Deutschlands. Am Freitag in Berlin teilten sie mit, den Vorschlag des Schlichters Rainer Schlegel, ehemaliger Präsident des Bundessozialgerichts, abzulehnen, der eine Einkommenserhöhung vorsah. Daraufhin kündigte die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) umgehend massive Streiks an, die den Sektor mit etwa 930.000 Beschäftigten betreffen könnten.

IG-Bau-Chef Robert Feiger erklärte, dass die Gewerkschaft nach der Ablehnung des Schlichtungsvorschlags nun wieder die ursprüngliche Forderung nach einem Lohnplus von 500 Euro pro Monat verfolgen werde. Der Schlichterspruch hatte eine pauschale Erhöhung um 250 Euro ab Mai und weitere 4,15 Prozent im Westen sowie 4,95 Prozent im Osten nach elf Monaten vorgesehen. Diese Staffelung hatte IG Bau akzeptiert, steht nun jedoch vor einer Neubewertung der Situation.

Jutta Beeke, Vizepräsidentin im Hauptverband der Bauindustrie, und der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Uwe Nostitz, kritisierten den Schlichterspruch. Beeke bemängelte die ungleiche Verteilung der Erhöhungen zwischen verschiedenen Lohngruppen, während Nostitz strukturelle Mängel anführte, wie beispielsweise unlogische Staffelungen der Ausbildungsvergütungen.

Der Streit kommt in einer Zeit, in der das deutsche Bauhauptgewerbe durch die Krise im Wohnungsbau bereits geschwächt ist. Mit einem Jahresumsatz von etwa 162 Milliarden Euro in 2023 ist der Sektor eine wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft, die nun durch anhaltende Tarifkonflikte zusätzlich unter Druck gerät.

Das Bauhauptgewerbe, das während des Immobilienbooms jahrelang die deutsche Konjunktur beflügelte, steht aktuell vor erheblichen Herausforderungen. Die aktuellen Entwicklungen lassen vermuten, dass die Auseinandersetzungen zwischen den Tarifparteien weiter andauern werden, was die Lage in einer bereits angespannten Branche weiter verschärfen könnte.

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