Business

Kleinunternehmen sehen dem Winter mit Besorgnis entgegen

Eine Umfrage bei 2700 Unternehmen ergab, dass staatliche Energiehilfen sie nicht erreichen, weshalb sie nun einen Hilferuf aussenden

Eulerpool News 20. Okt. 2023, 12:00

Kleine Unternehmen leiden unter den hohen Energiepreisen und sind in existenzielle Not geraten. Eine Umfrage unter 2700 Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen zeigt, dass die staatlichen Energiehilfen ihre Wirkung verfehlen und die Betriebe nun mit einem Hilferuf zu Wort melden. Wirtschaftsminister Robert Habeck versprach zwar finanzielle Unterstützung, doch nur 18 Prozent der Befragten sehen die Gas- und Strompreisbremsen als hilfreiche Maßnahme. Mehr als 60 Prozent bewerten die staatlichen Hilfen als schlecht oder sogar sehr schlecht.

Die Härtefallhilfen, die im ersten Halbjahr ausgezahlt wurden, betreffen nur eine geringe Anzahl von Kleinunternehmen. Die Kriterien sind streng und viele Unternehmen haben aufgrund der hohen Anforderungen keine staatliche Unterstützung erhalten. Dennoch gibt knapp ein Drittel der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer an, dass die aktuelle Krise ihre berufliche Existenz bedroht. Besonders große Sorgen machen sie sich vor der kommenden Heizsaison.

Christian Steiger, CEO bei Lexware, warnt vor den Folgen, wenn so viele Kleinunternehmer um ihre Existenz fürchten. Das sei alarmierend, da es sich um Macher handle, die gewohnt sind, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Lexware bietet Buchhaltungssoftware für Kleinstfirmen an und kennt daher die Sorgen der Unternehmen aus erster Hand. Steiger sieht die Strompreisbremse als kurzfristige Maßnahme an und betont die Notwendigkeit von Investitionsanreizen für die langfristige Transformation hin zu einer dezentralen Energieversorgung.

Ein Beispiel dafür ist Johanna Röh, Tischlermeisterin aus Osnabrück. Sie hat ihre Werkstatt in einer ehemaligen Scheune eingerichtet und aufgrund hoher Kosten für einen Stromanschluss stattdessen in eine Photovoltaikanlage investiert. Für die Finanzierung nahm sie einen Kredit auf und kann nun die Zinsen aus den Erträgen der Stromeinspeisung bezahlen. Eine staatliche Unterstützung erhielt sie jedoch nicht und kritisiert die Fokussierung auf kurzfristige Maßnahmen wie die Strompreisbremse.

Auch Bäckermeister Nicolas Biere aus Detmold, in vierter Generation Inhaber einer Bäckerei mit fünf Filialen, leidet unter den hohen Energiekosten. Obwohl er von der Strompreisbremse profitiert hat, wünscht er sich vor allem Stabilität und Planungssicherheit von der Politik. Die ständig wechselnden Vorschriften bei Themen wie Mehrwertsteuer, Mindestlohn und Strompreisbremse belasten sein Unternehmen stark. Die Beibehaltung des niedrigen Mehrwertsteuersatzes für Speisen wäre für ihn viel wichtiger als dauerhafte Energiesubventionen.

Die Profitabilität von Kleinstunternehmen ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken und viele haben Schwierigkeiten, ihre Liquidität wiederherzustellen. Laut Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, gestaltet sich das Umfeld für den Mittelstand als äußerst herausfordernd. Auch Lexware-Chef Steiger betont die Notwendigkeit von verlässlichen Rahmenbedingungen und kritisiert die Unsicherheit bezüglich der Dauer und Richtlinien der staatlichen Unterstützung.

Ein weiteres Problem sind Förderprogramme für gewerbliche Solaranlagen, deren begrenzte Mittel schnell vergriffen sind und die wenig transparen sind. Viele kleine Unternehmen befinden sich daher in einem Teufelskreis, da sie aufgrund hoher Kosten kaum wirtschaftlich arbeiten können und dadurch Kunden verlieren. Dies könnte langfristige Folgen haben, da ein Viertel der befragten Unternehmen nicht sicher ist, ob sie den nächsten Winter überstehen werden.

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