Galeria Karstadt Kaufhof in der Krise: Insolvenzantrag gestellt

10.1.2024, 18:00

Galeria Karstadt Kaufhof, Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern, ist erneut insolvent und hat zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre ein Insolvenzverfahren beantragt. Die Zukunft der über 15.000 Mitarbeiter bleibt ungewiss.

Eulerpool News 10. Jan. 2024, 18:00

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern ist erneut in die Insolvenz geraten. Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt, wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte. Ziel sei es, einen neuen Eigentümer zu finden und die Warenhauskette fortzuführen. Gespräche mit potenziellen Investoren seien bereits angelaufen.

Was mit den rund 15.000 Mitarbeitern des Unternehmens passieren wird, ist derzeit unklar.

Es ist bereits der dritte Insolvenzantrag von GKK innerhalb von vier Jahren. Doch anders als in den vergangenen Jahren, ist dieses Mal nicht die Geschäftsentwicklung, sondern die Finanzierung des Mutterkonzerns Signa für die Schieflage des Unternehmens verantwortlich. „Die aktuelle Eigentümerstruktur belastet den operativen Erfolg von Galeria. Wir sehen diesen Tag ausdrücklich als Befreiungsschlag“, betont Galeria-Chef Olivier van den Bossche.

Die Insolvenzen der Signa-Gruppe, zu der GKK gehört, hätten das Unternehmen massiv geschädigt und behinderten das laufende Geschäft. Hohe Mieten und teure Dienstleistungen schränkten zudem die Zukunftsperspektiven ein.Im Zuge der Insolvenz des österreichischen Unternehmers René Benko hat Signa mehrere Unternehmen aus dem Handels- und Immobilienbereich angemeldet, darunter auch die Signa Retail Selection AG, zu der GKK gehört.

Ende November hatte das Unternehmen angekündigt, geordnet abgewickelt zu werden, was einen Verkauf von GKK bedeutet. Nach der Insolvenz musste GKK bereits rund 40 Filialen schließen, die letzten18 werden im Laufe dieses Monats ihren Betrieb einstellen. Aktuell betreibt GKK 92 Warenhäuser und beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter.

Erst Ende2022 hatte GKK Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht, das im März 2023 von der Gläubigerversammlung bestätigt wurde. Die Signa-Gruppe hatte für die Sanierung des Unternehmens 200 Millionen Euro zugesagt, die in mehreren Tranchen bis 2025 fließen sollten. Ob GKK nun auch in der dritten Insolvenz auf diese Zahlung hoffen kann, ist ungewiss.

Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze von der Gläubigerschutzorganisation KSV 1870 geht nicht davon aus. Da seine Organisation im Gläubigerausschuss vertreten ist, kennt er jedoch keine genauen Zahlungsvereinbarungen. Auch der Insolvenzverwalter von Signa Holding wollte sich nicht dazu äußern.

Die Auswirkungen der Insolvenz auf die Beschäftigten sind noch nicht absehbar, da der Gesamtbetriebsrat derzeit nicht erreichbar ist. Während der letzten Insolvenz hatte die Bundesagentur für Arbeit den GKK-Mitarbeitern für drei Monate Insolvenzgeld gezahlt.

Zudem hatten die Gläubiger auf Forderungen in Milliardenhöhe verzichtet, um dem Unternehmen einen Weg aus der Krise zu ermöglichen. Der deutsche Staat hatte ebenfalls zur Rettung beigetragen und GKK mit insgesamt 680 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) unterstützt.

Nach dem Insolvenzplan vom Frühling 2023 sollte der WSF nur einen geringen Teil aus der Verwertung des Warenbestands zurückerhalten. In der dritten Insolvenz wird GKK jedoch nicht mehr auf staatliche Mittel hoffen können.

Das Unternehmen hat nun ein sogenanntes Regelinsolvenzverfahren beantragt. Dabei wird vom Gericht ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt, der wichtige Entscheidungen treffen muss. Die Geschäftsführung bleibt zwar im Amt, befindet sich aber in enger Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter.

Dieser muss ein Gutachten erstellen und prüfen, ob die Kosten des Verfahrens gedeckt sind. Ist dies der Fall, wird das Verfahren eröffnet. Bereits jetzt oder nach der Verfahrenseröffnung kann ein Insolvenzplan erstellt werden, entweder durch die Geschäftsführung oder durch den Insolvenzverwalter.

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