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EnBW-Schock: Gläubiger wollen 700 Millionen! Ist die Tochterfirma am Ende?

BMP Greengas verkaufte Biomethan an Stadtwerke, nun könnte die Insolvenz des Gashändlers Millionen an Kosten verursachen

Eulerpool News 18. Sept. 2023, 10:00

In einem Finanzdesaster, welches viele Stadtwerke und Energieversorger in Deutschland betreffen kann, hat der Biomethanhändler BMP Greengas Insolvenz angemeldet.

720 Millionen Euro an Forderungen haben insgesamt 235 Gläubiger beim Insolvenzverwalter des Unternehmens angemeldet. Wodan Lichtmeß, Vorstand der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, empört sich über die vermutliche Höhe des Schadens: "Das ist unglaublich. Dies hat nichts mehr mit dem Verhalten eines ordentlichen Kaufmanns und verantwortlicher Geschäftsführung zu tun.“

BMP Greengas, mit Sitz in München, präsentierte sich als "führender Vermarkter für Biomethan und Experte für grüne Gase” in Deutschland und verkaufte Biomethan an Stadtwerke und Energieversorger. Die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen fordern knap 70 Millionen Euro aus einem Liefervertrag für Biomethan. Die Stadtwerke Greifswald fordern mehr als 53 Millionen Euro als Schadensersatz und die Zwickauer Energieversorgung verlangt 22 Millionen Euro.

Mit dem deutschen Fiskus ist BMP Greengas ebenfalls im Verzug. Das Hauptzollamt München hat eine Forderung von 900.000 Euro für Energiesteuern plus Säumniszuschlag angemeldet. Zudem fordern mehrere Krankenkassen Beitragszahlungen ein.

Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen warnt, dass die Insolvenz der BMP Greengas die Wärmewende ausbremsen könnte. "Betroffene Stadtwerke müssen ein Desaster ausbaden, das sie nicht zu verantworten haben, und möglicherweise zulasten notwendiger Investitionen zum Erreichen der Klimaziele“ – so Liebing. Hendrik Dönnebrink, Geschäftsführer des örtlichen Energieversorgers in Mülheim an der Ruhr, zeigt sich zudem schockiert. Er hat auf die Seriosität und Bonität der EnBW vertraut und deshalb für sein Unternehmen Lieferverträge mit BMP Greengas abgeschlossen. Nun fürchtet er, dass sein Unternehmen bis zu 17 Millionen Euro verlieren könnte. Er zürnt: "Angesichts der Zahlen in der Insolvenztabelle bin ich geschockt. Was ist das für ein Risikomanagement und -controlling im EnBW-Konzern?".

EnBW betont, Belastungen habe das Unternehmen durch Rückstellungen im Abschluss 2022 berücksichtigt und habe BMP Greengas mit einem „signifikanten dreistelligen Millionenbetrag“ unterstützt. 2017 hatte die EnBW BMP Greengas von den Gründern des Unternehmens übernommen, woraufhin das "Handelsvolumen" von BMP Greengas auf über vier Terawattstunden anstieg und der Umsatz von 136 auf 350 Millionen Euro mehr als verdoppelt wurde. Bereits im Herbst 2020 traten jedoch Probleme auf, die durch den Krieg in der Ukraine und den "Wegfall fest eingeplanter Biomethananlagen" bedingt waren.

Die tatsächliche Höhe der Schadenersatzsumme hat BMP Greengas derweil noch nicht festgelegt und wird sich erst im Verlauf des Insolvenzverfahrens zeigen. Es bleibt also abzuwarten, welches Ausmaß die Insolvenz des Biomethanhändlers letztlich haben wird und wie es für die Gläubiger des Unternehmens enden wird.

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