Discounter setzt sich in Zeiten steigender Inflation von der Konkurrenz ab

18.10.2023, 15:01

Action und Woolworth verzeichnen das stärkste Wachstum, und das dank simpler Erfolgsstrategien

Eulerpool News 18. Okt. 2023, 15:01

Kostenerhöhungen treiben Kunden zu Discountern, aber nicht jeder profitiert davon. Die größten Gewinner sind Action und Woolworth - mit einfachen Erfolgsstrategien.

Wer sagt, dass ein Geschäft schön sein muss, um erfolgreich zu sein? Die kürzlich eröffnete Action-Filiale in Düsseldorf, immerhin die 500. in Deutschland, ist eher wie ein Lagerhaus gestaltet. Die Kunden schieben sich an Eröffnungstagen zwischen den engen Gängen mit langen, schmucklosen Regalen, die ihre Einkaufswagen voller Reinigungsprodukte, Deko-Artikel, Büromaterial, Lippenstifte und Spielzeug füllen. 1500 der 6000 verfügbaren Produkte werden bei Action für unter einem Euro angeboten. Trotzdem konnte das Unternehmen im letzten Jahr mit 2300 Filialen in ganz Europa einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro erzielen - ein Wachstum von 30 Prozent. Der operative Gewinn stieg sogar um 46 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

In Zeiten der Inflation sind alle Billigdiscounter gefragt, da die Kunden verstärkt auf den Preis achten. Nicht nur Lebensmitteldiscounter wie Aldi oder Lidl sind erfolgreich, sondern auch Non-Food-Discounter wie Tedi, Kodi oder Woolworth. Doch keiner wächst so rasant wie Action - und das mit einer vergleichsweise einfachen Erfolgsformel. Nach Berechnungen der Marktforscher von GfK konnte der Non-Food-Händler Action im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland erneut um 39 Prozent zulegen. Damit hat das Unternehmen seinen Konkurrenten Tedi deutlich überholt, der lediglich um 19 Prozent wachsen konnte.

In diesem Jahr will Action allein in Deutschland rund 50 neue Filialen eröffnen, wodurch der Markt nach Frankreich der zweitgrößte für das Unternehmen ist. Laut Hajir Hajji, Geschäftsführerin von Action, sind für das nächste Jahr sogar noch ambitioniertere Pläne geplant. "Wir sehen ein großes Potenzial auf dem deutschen Markt", erklärt die 42-Jährige. Im kommenden Jahr sollen 60 bis 70 weitere Filialen eröffnet werden. Das Konzept funktioniere an diversen Standorten, sei es in Einkaufszentren oder Einzellagen, in Innenstädten oder in Vororten. Hajji betont: "Nur in teuren Top-Lagen in Innenstädten werden Sie uns nicht finden." Das Unternehmen investiert auch in die Logistik, um das Wachstum des Filialnetzes zu unterstützen. Weitere Verteilzentren sind in Deutschland geplant. "Die größte Herausforderung besteht darin, ein starkes Wachstum in ganz Europa aufrechtzuerhalten und gleichzeitig das Unternehmen schlank und effizient zu halten", betont die Geschäftsführerin.

Effizienz sei entscheidend für den Erfolg. Das Sortiment ist in ganz Europa zu 95 Prozent identisch und auch die Prozesse in den Filialen und in der Logistik sind einheitlich, so Hajji. "Diese Standardisierung spart uns viel Geld." Vom Moment der Übernahme eines neuen Ladenlokals bis zur Eröffnung benötigt Action nur fünf Tage.

Doch auch die Discount-Unternehmen sind von steigenden Kosten betroffen. Die Großen wie Action, Tedi oder Woolworth können diese jedoch dank ihres hohen Einkaufsvolumens am besten ausgleichen. Ihre Wachstumspläne sind entsprechend ambitioniert. "Discount ist gefragt - mehr denn je", sagt Woolworth-Chef Roman Heini bei der Eröffnung der 600. Filiale in Deutschland. Er zielt darauf ab, das Netzwerk in Deutschland auf über 1000 Filialen auszubauen. "Unser Sortiment spricht eine breite und immer größer werdende Zielgruppe an", erklärt der Manager, der bereits für Aldi und Lidl tätig war.

Der eher zurückhaltende Unternehmer Stefan Heinig übernahm 2009 die Kette mit 142 Filialen aus der Insolvenz und führte sie nach einer radikalen Restrukturierung zur Wiederbelebung des Wachstums. Dabei wurde unter anderem das Sortiment gestrafft und vereinheitlicht. "In Deutschland sind wir die am stärksten wachsende Handelskette", sagt Woolworth-Chef Heini selbstbewusst. Nun plant das Unternehmen, dieses Modell auch in anderen Ländern zu nutzen: Im Mai eröffnete Woolworth seine ersten Läden in Polen und Ende des Jahres ist der Start in Österreich geplant.

Die Billigkette Tedi, die ebenso wie Woolworth zum Unternehmensverbund von Heinig gehört, eröffnete kürzlich ihre europaweit 3000. Filiale in Dortmund-Aplerbeck und plant für das Geschäftsjahr 2022/23 die Eröffnung von weiteren 300 Filialen. Doch anscheinend läuft bei Tedi nicht alles reibungslos. Das Unternehmen hat sich kürzlich von seinem Geschäftsführer Silvan Wohlfahrt getrennt - ohne Dankesworte und in "gegenseitigem Einvernehmen". Laut Branchenkennern soll es Probleme bei der Sortimentsgestaltung gegeben haben: "Das Unternehmen hat zu viel Ware auf Lager", sagt ein Insider. Stefan Heinig hat nun den ehemaligen Woolworth-Manager Petar Burazin an die Spitze von Tedi gestellt, um das Ziel von 5000 Filialen zu erreichen, wie das Unternehmen mitteilt.

Auffällig ist, dass Action deutlich produktiver ist als Tedi. Laut den GfK-Zahlen betrugen die durchschnittlichen Ausgaben pro Haushalt bei Action im ersten Halbjahrm73 Euro, während Tedi nur aufm38 Euro kam. Im vergangenen Jahr betrug der durchschnittliche Umsatz pro Laden in Deutschland bei Action laut Handelsforschungsinstitut EHI 2,3 Millionen Euro, während Tedi nur 630.000 Euro erzielte.

Für kleine Discounter gestaltet sich das Geschäft noch schwieriger. Die Zukunft einiger Unternehmen ist offen.

Die besten Investoren analysieren mit Eulerpool
fair value · 20 million securities worldwide · 50 year history · 10 year estimates · leading business news

Für 2 € sichern

Favoriten unserer Leser