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TKMS meldet Rekordauftragsbestand – U-Boot-Boom treibt Branche

Der Marineschiffbauer erlebt ein Ausnahmejahr, das selbst die Erwartungen des Rüstungsmarkts übertrifft. Und alles deutet darauf hin, dass 2026 noch größer werden könnte.

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Ein Rüstungsboom, der sich in den Büchern niederschlägt

Während Deutschlands Verteidigungsausgaben sprunghaft wachsen, läuft es für TKMS so gut wie nie. Vorstandschef Oliver Burkhard spricht von einer Branche, die sich „rasant“ verändert – und von einem Unternehmen, das im Zentrum dieser Bewegung steht. Der Auftragsbestand kletterte auf 18,2 Milliarden Euro, so hoch wie noch nie. Die U-Boot-Sparte allein sorgt für die Hälfte des Umsatzes.

TKMS legte beim Umsatz um neun Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu; der Nettogewinn stieg auf 108 Millionen Euro. Besonders dynamisch präsentierte sich die Elektroniksparte Atlas Electronics mit einem Plus von 19 Prozent – ein Hinweis darauf, dass digitale Fähigkeiten in der maritimen Verteidigung zunehmend entscheidend werden.

Das U-Boot-Geschäft als Wachstumsmotor

Ein Großteil der Auftragseingänge stammt aus bekannten Programmen – und zeigt zugleich, wie stark die Nachfrage nach maritimer Spitzentechnik geworden ist. Vier zusätzliche U-Boote aus dem deutsch-norwegischen 212CD-Programm, Modernisierungen für die Deutsche Marine, Exportaufträge nach Asien: Die Kieler Werft ist längst wieder ein globaler Anbieter.

Hinzu kommen Projekte wie das neue Forschungsschiff Polarstern, die das Portfolio erweitern und zeigen, dass TKMS nicht nur vom Rüstungsboom profitiert, sondern auch von technologisch anspruchsvollen Sonderlösungen.

Neue Fregattenprogramme könnten Milliarden bringen

Trotz des Rekordjahres deutet wenig darauf hin, dass der Auftragseingang seinen Zenit erreicht hat. Die Bundesregierung plant, die Verteidigungsausgaben auf 108 Milliarden Euro zu erhöhen – ein Plus von 25 Prozent. Für TKMS könnte das ein weiterer Wachstumsschub werden.

Besonders im Fokus: die F127, eine neue Generation luftverteidigungsfähiger Fregatten. Auch die Verzögerung beim F126-Projekt eröffnet Raum für Alternativen. Burkhard betont, sein Unternehmen könne „sehr schnell ein wirklich gutes Schiff“ liefern – ein klarer Wink an das Verteidigungsministerium, das nach jahrelangen Verzögerungen zunehmend unter Druck steht.

Investitionen in Wismar – und ein möglicher Werftzukauf

Um den Rekordbestand abzuarbeiten, erhöht TKMS die eigenen Kapazitäten. Rund 200 Millionen Euro sollen in den Standort Wismar fließen. Dort entsteht eine neue Druckkörpertaktstraße, womit TKMS seine U-Boot-Fertigung verdoppeln kann. Der Bund soll sich an den Kosten beteiligen – ein Hinweis darauf, wie systemrelevant diese Kapazitäten geworden sind.

Parallel prüft TKMS die Übernahme der German Naval Yards Kiel (GNYK). Burkhard formuliert es vorsichtig, aber ambitioniert: TKMS könne „ein Konsolidierungsknoten“ der deutschen Marineindustrie werden. Die Branche, seit Jahren fragmentiert, dürfte durch steigende Nachfrage und geopolitischen Druck weiter zusammenrücken.

Ein Unternehmen auf dem Weg in eine neue Größenordnung

Mit einem geplanten Umsatzwachstum von rund zehn Prozent und einer Ebit-Marge, die perspektivisch über sieben Prozent steigen soll, setzt TKMS auf Skalierung und Effizienz. Die jüngsten Zahlen zeigen: Der Kurs stimmt. Auch die Aktie reagierte zu Wochenbeginn positiv.

Der Rüstungsboom verschafft TKMS eine Position, wie sie das Unternehmen seit Jahrzehnten nicht mehr hatte. Die Frage ist nun weniger, ob weitere Aufträge kommen – sondern ob Deutschland und Europa schnell genug liefern können, um den neuen geopolitischen Realitäten gerecht zu werden.

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