Revo Hospitality unter Insolvenzschutz: Expansion überholte die Nachfrage
Vom gefeierten Aufsteiger zum Sanierungsfall: Ruslan Husry wollte Europas Hotelmarkt dominieren. Nun liegt das Revo-Imperium in Trümmern, und Gläubiger stehen vor dem Nichts.

Europas Hotelmarkt erlebt ein Beben, dessen Erschütterungen noch lange zu spüren sein werden. Die Revo-Hospitality-Gruppe hat kapituliert.
Was sich hinter den glänzenden Fassaden von Marken wie Hyatt, Pullman oder InterContinental abspielte, endet nun vor dem Amtsgericht Charlottenburg. Ruslan Husry, der 49-jährige Berliner Kopf hinter dem Konglomerat, hat für rund 140 seiner Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.
Es geht nicht um eine kleine Korrektur. Es geht um den existenziellen Absturz eines der größten Hotelbetreiber des Kontinents.
Betroffen sind 125 Hotels in Deutschland und Österreich. 5500 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Die Zahlen sind verheerend, die Aussichten für Gläubiger düster.
Die aggressive Expansion wurde zur tödlichen Falle für den Konzern
Der Zusammenbruch kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist die direkte Konsequenz einer Wachstumsstrategie, die jedes vernünftige Maß verloren hatte.
Husry kaufte zu, als gäbe es kein Morgen. Erst im April 2025 übernahm er 60 Häuser der Marke H-Hotels sowie zehn weitere Objekte der H World International. Branchenkenner schüttelten schon damals den Kopf.
Die Integration dieser Masse an neuen Häusern verursachte immense Kosten, die durch den laufenden Betrieb nicht gedeckt werden konnten. Das Kalkül ging nicht auf.
Die Übernachtungszahlen blieben weit hinter den eigenen, offenbar völlig überzogenen Prognosen zurück. Wer den Markt mit Kapazitäten flutet, ohne die Nachfrage realistisch einzuschätzen, muss scheitern.
Jahrelange Verluste wurden systematisch ignoriert und verschleiert
Ein Blick in die Bücher offenbart das ganze Ausmaß der Misere. Die Gruppe, die bis vor kurzem noch als HR Group firmierte, schreibt laut Daten von North Data bereits seit 2014 keine Gewinne mehr.
Trotz eines Umsatzes von zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro war das Geschäftsmodell substanzlos. Das Wachstum wurde auf Pump finanziert, die Profitabilität blieb auf der Strecke.
Zuletzt wies der Betreiber eine Überschuldung von 19,9 Millionen Euro aus. Eigene Ertragszahlen veröffentlichte Husry in den vergangenen Jahren wohlweislich nicht mehr.
Die Liquiditätslücke, die sich nun auftat, war gigantisch. Weder der Eigentümer noch externe Geldgeber waren bereit oder in der Lage, dieses schwarze Loch weiter zu stopfen.
Große Partner zogen bereits vor dem Insolvenzantrag die Reißleine
Die Branche wusste Bescheid. Das Vertrauen der Lizenzgeber war bereits vor dem Gang zum Amtsgericht zerstört.
Der französische Hotelriese Accor sperrte nach Informationen von Brancheninsidern bereits vorab die Buchungssysteme für zahlreiche von Revo betriebene Hotels. Ein drastischer Schritt, der einem Todesstoß gleichkommt.
Wenn Marken wie Ibis, Pullman oder Mercure die digitale Infrastruktur kappen, fließt kein Geld mehr. Das war das unüberhörbare Warnsignal für den endgültigen Kollaps.
Gläubiger müssen sich auf einen Totalverlust ihrer Forderungen einstellen
Die vorläufigen Insolvenzverwalter Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn verbreiten den üblichen Berufsoptimismus. Man spricht von „guten Aussichten für eine zügige Sanierung“.
Die Gehälter der Mitarbeiter sind durch das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur bis März 2026 gesichert. Der operative Betrieb läuft weiter. Doch wer zahlt die Zeche?
Investoren sollen nun einsteigen. Das Modell erinnert an die Sanierung der Lindner-Gruppe, wo allerdings die Familie frisches Kapital nachschoss und Pachtverträge massenhaft gekündigt wurden.
Die Realität für Vermieter und Lieferanten wird bitter sein. Prognosen gehen davon aus, dass am Ende kaum ein Zehntel ihrer Außenstände beglichen wird. Das Revo-Debakel vernichtet Kapital in enormem Umfang.








