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Nach 80 % Kursplus: Das erwartet Anleger bei SoFi im neuen Jahr

Die Aktie des US-Fintechs SoFi hat 2025 zu den stärksten Performern der NASDAQ gehört. Doch nach der Euphorie folgen nun anspruchsvolle Erwartungen. Was Anleger im neuen Jahr wirklich erwarten können.

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Vom SPAC-Sorgenkind zur ernstzunehmenden Digitalbank

SoFi ist über Jahre unterschätzt worden. Der Börsengang über einen SPAC im Jahr 2021 fiel in die Phase platzernder Wachstumsnarrative, und viele Investoren betrachteten den Konzern durch die Brille enttäuschender SPAC-Geschichten. Doch 2025 hat die Firma die Erzählung gedreht: Plus 80 Prozent Kurszuwachs an der NASDAQ, getragen von starkem operativen Momentum und einem Modell, das inzwischen eher als digitale Universalbank denn als Kreditvermittler funktioniert.

SoFi verfügt heute über eine Banklizenz, eine wachsende Einlagenbasis und mit Galileo und Technisys zwei Plattformtöchter, die Softwareerlöse für andere Finanzinstitute generieren. Diese Mischung – Bankgeschäft plus Infrastrukturgeschäft – stabilisiert die Erträge und macht das Unternehmen weniger abhängig von Zinszyklen als klassische Fintechs.

Wachstumstreiber: Mitglieder, Produkte, Plattformumsätze

Die Zahlen aus dem dritten Quartal 2025 zeigen, warum der Markt umgeschwenkt ist. SoFi steigerte die bereinigten Nettoerlöse um knapp 40 Prozent auf 950 Millionen Dollar. Die Mitgliederbasis wuchs auf 12,6 Millionen – allein 905.000 kamen in einem Quartal hinzu. Insgesamt nutzen Kunden inzwischen 18,6 Millionen Produkte.

Auffällig ist die zunehmende Tiefe der Kundenbeziehungen: Rund 40 Prozent der neuen Produkte werden von bestehenden Mitgliedern eröffnet. Das Ökosystem funktioniert und sorgt für wiederkehrende Umsätze.

Parallel dazu verschiebt SoFi sein Modell in Richtung gebührenbasierter Erlöse. Mehr als 400 Millionen Dollar Fee-Umsatz im Quartal – ein Plus von rund 50 Prozent – stammen aus Zahlungsverkehr, Brokerage, Plattformgebühren und Vermittlung. Besonders kapitalarm ist die Vermittlungsplattform für Kredite, auf der SoFi 3,4 Milliarden Dollar Kreditvolumen generierte, ohne selbst das Risiko auf die Bilanz zu nehmen. Für die Marge ist das Gold wert.

Bewertung, Erwartungen und der schwierige Teil des Erfolgs

Mit der operativen Stärke wächst jedoch auch der Druck. Die Aktie wird inzwischen zu einem Bewertungsniveau gehandelt, das weit über dem klassischer Banken liegt. Der Markt erwartet, dass SoFi kein durchschnittliches Institut wird, sondern ein Finanztechnologie-Hybrid, der stetig zweistellige Wachstumsraten liefert.

Für 2026 hat das Management einen Gewinn von 0,55 bis 0,80 Dollar je Aktie angekündigt. Gelingt dieses Ziel, würde SoFi das Profitabilitätsniveau spürbar ausbauen. Die Frage ist, ob das Wachstum der Mitglieder, Produkte und Plattformerlöse hoch genug bleibt, um die Bewertung zu rechtfertigen.

Die Chancen – und die Risiken – für 2026

Die Chancen liegen klar auf der Hand: eine steigende Kundenzahl, zunehmende Cross-Selling-Erfolge, starkes Infrastrukturgeschäft und eine technologische Positionierung, die SoFi von traditionellen Banken abhebt.

Gleichzeitig erhöht die ambitionierte Bewertung die Fallhöhe. Makroökonomische Unsicherheiten, Veränderungen im Kreditzyklus oder ein Abschwung am Arbeitsmarkt könnten sich bei SoFi stärker im Kurs niederschlagen als bei niedrig bewerteten Instituten. Auch die Fähigkeit, Kreditrisiken sorgsam zu steuern, wird für 2026 wichtiger als in den Jahren zuvor.

Die Grundfrage lautet deshalb: Kann SoFi beweisen, dass der Spagat aus Banklizenz und Technologieplattform dauerhaft trägt? Gelingt das, könnte 2026 mehr sein als nur ein Nachbeben der Rally des vergangenen Jahres. Falls nicht, droht ein Reality-Check – in einem Markt, der inzwischen Großes erwartet.

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