Feralpi will mit grünem Stahl die Bauwelt verändern
Feralpi zeigt, dass grüner Stahl funktionieren kann – wenn Markt und Politik endlich dieselbe Sprache sprechen.

Der italienische Stahlhersteller Feralpi zeigt im sächsischen Riesa, dass Klimaschutz in der Schwerindustrie kein Zukunftstraum bleiben muss. Mit einem neuen elektrischen Walzwerk will das Unternehmen beweisen, dass grüner Stahl nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich funktionieren kann – wenn die Politik mitspielt.
Grüner Stahl aus Sachsen
In der riesigen Halle des neuen Walzwerks herrscht an diesem Oktobernachmittag Stille – ein Testlauf ist schiefgegangen. „Nur ein kleiner Störfall“, sagt Werksleiter Uwe Reinecke gelassen. Denn der eigentliche Durchbruch steht: Das Werk produziert CO₂-armen Elektrostahl, der mit weniger als 300 Kilogramm CO₂ pro Tonne fast 40 % sauberer ist als vor drei Jahren.
Feralpi, das jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Stahl herstellt, ist im Vergleich zu Giganten wie ArcelorMittal winzig – aber dafür wendiger. Statt teure Hochöfen auf Wasserstoff umzurüsten, recycelt Feralpi Stahlschrott elektrisch. Das spart Energie und CO₂, vor allem, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt.
Wette auf die Zukunft
Das neue Werk hat 220 Millionen Euro gekostet, 100 neue Mitarbeiter und 25 Azubis sollen hier arbeiten. Doch die Investition bleibt eine Wette. Noch immer ist grüner Stahl teurer – und viele Bauunternehmen zögern, den Aufpreis zu zahlen. „Das Verständnis wächst“, sagt Reinecke, „aber die Zahlungsbereitschaft fehlt oft noch.“
Dabei ist der Markt in Bewegung. Immer mehr Ausschreibungen schreiben CO₂-Grenzwerte für Stahl vor, Banken vergeben „grüne Kredite“, und die EU plant mit dem „Industrial Decarbonisation Accelerator Act“ Quoten für klimafreundliche Produkte.
Strom ist Chance und Risiko
Ein heikler Punkt sind die Energiekosten. Feralpi kauft Strom flexibel an der Börse, um von günstigen Preisen zu profitieren. Doch in Dunkelflauten steht das Werk still. Nur durch die Strompreiskompensation kann der Betrieb mit neun bis elf Cent pro Kilowattstunde wirtschaftlich bleiben. Ob diese Förderung über 2026 hinaus gilt, ist ungewiss.
„Wir machen weiter – aber wir müssen auch verdienen dürfen“
Trotz der Unsicherheiten sieht Reinecke die Elektrostahlwerke als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Branche. Schon heute stammen rund 30 % des deutschen Stahls aus Recyclinganlagen, bis 2040 könnten es 45 % sein.
Doch eines ist klar: Ohne politische Unterstützung und eine faire Bezahlung für grüne Produktion wird auch der ambitionierteste Stahl irgendwann kalt.






