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DAX über 25.000 Punkte: Diese fünf Charttechniker sehen weiteres Kurspotenzial – und warnen vor Rückschlägen

Der deutsche Leitindex hat mit dem Sprung über die Marke von 25.000 Punkten ein neues technisches Kapitel aufgeschlagen. Fünf der treffsichersten Chartanalysten sehen kurzfristig weiteres Aufwärtspotenzial, rechnen im Jahresverlauf 2026 jedoch auch mit spürbaren Korrekturen. Entscheidend sind Rekordhochs, Marktpsychologie – und drei konkrete Risikofaktoren.

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Neue Rekordzone als technischer Befreiungsschlag

Nach 34 Allzeithochs im Jahr 2025 und weiteren Rekorden zu Jahresbeginn 2026 hat der DAX mit zuletzt rund 25.300 Punkten eine charttechnisch bedeutende Schwelle überschritten. Für viele technische Analysten ist dieser Ausbruch ein starkes Kaufsignal. Die zuvor monatelange Seitwärtsphase habe erhebliches „aufgestautes Bewegungspotenzial“ erzeugt, das sich nun nach oben entlade.

Karin Roller von der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands sieht den langfristigen Aufwärtstrend klar bestätigt und nennt Kursziele von zunächst 27.200 und in einer zweiten Welle sogar bis zu 28.800 Punkten. Auch Jörg Scherer (HSBC), Christian Henke (IG) und Frederik Altmann (Alpha Wertpapierhandel) erwarten Anschlusskäufe, da viele Investoren erst nach dem Ausbruch in neue Rekordzonen in den Markt zurückkehren. Ihre Zielmarken reichen von 26.400 bis 28.000 Punkten.

Zusätzliche technische Bestätigung liefert der DAX-Kursindex, der – ohne Dividenden – ebenfalls ein Allzeithoch erreicht hat. Damit sendet nicht nur der Performanceindex, sondern auch die international besser vergleichbare Kursvariante ein starkes Trend-Signal.

Warum Rekordhochs sich oft selbst verstärken

Aus Sicht der Charttechnik wirken neue Höchststände häufig wie ein psychologischer Beschleuniger. Widerstände existieren oberhalb nicht mehr, Stopp-Loss-Orders von Short-Positionen werden ausgelöst, und trendfolgende Investoren springen auf. Gleichzeitig signalisieren Allzeithochs relative Stärke im internationalen Vergleich, was institutionelle Mittelzuflüsse begünstigt.

Auch der Euro Stoxx 50, der erstmals seit dem Jahr 2000 wieder Rekordniveaus erreicht hat, stützt dieses Bild. Breite Marktstärke über Ländergrenzen hinweg gilt als klassisches Trendbestätigungssignal.

Korrekturen eingeplant: Bis zu 20 Prozent möglich

Trotz des positiven Grundtons sind sich alle fünf Charttechniker einig, dass 2026 kein Jahr ohne Rückschläge wird. Klaus Deppermann rechnet mit zwei Korrekturphasen – eine im Frühjahr, eine stärkere im Herbst. Vom jeweils erreichten Hoch aus hält er ein Minus von bis zu 20 Prozent für möglich.

Wichtige technische Auffangzonen sehen die Experten im Bereich zwischen 23.500 und 24.000 Punkten. Erst ein Bruch dieser Zone würde das positive Gesamtbild ernsthaft infrage stellen. Im Extremfall könnte der DAX bis in den Bereich um 20.500 Punkte zurückfallen, wo der langfristige Aufwärtstrend seit dem Tief von 2022 verläuft.

Drei Warnsignale für Anleger

1. Der US-Wahlzyklus

2026 ist Zwischenwahljahr in den USA. Historische Statistiken zeigen, dass diese Phase an den Börsen häufig schwächer verläuft als Vor- oder Nachwahljahre. Für den DAX ergibt sich aus früheren Zyklen im Durchschnitt sogar eine leicht negative Jahresrendite.

2. Übermäßiger Optimismus

Umfragen der American Association of Individual Investors zeigen eine sehr hohe Aktienquote bei Privatanlegern. Aus technischer Sicht ist eine solche Positionierung ein Kontraindikator: Wenn bereits viele investiert sind, fehlt später Kaufkraft für neue Impulse.

3. Aktienkäufe auf Kredit

In den USA haben kreditfinanzierte Aktieninvestitionen ein Rekordniveau erreicht. Solange diese steigen, stützen sie den Markt. Dreht dieser Trend jedoch, kann der Abbau gehebelter Positionen Korrekturen beschleunigen.

Trend positiv, Volatilität vorprogrammiert

Aus charttechnischer Sicht spricht der Ausbruch über 25.000 Punkte klar für weiter steigende Kurse im DAX mit Zielzonen zwischen 26.400 und 28.800 Punkten. Gleichzeitig deuten Saisonalität, Marktstimmung und der politische Zyklus in den USA darauf hin, dass 2026 kein geradliniges Börsenjahr wird.

Für Anleger bedeutet das: Der übergeordnete Trend bleibt aufwärtsgerichtet – doch zwischenzeitliche Korrekturen von zehn bis zwanzig Prozent gehören nach Einschätzung der Experten fest zum Szenario. Timing, Risikomanagement und das Beobachten zentraler technischer Marken werden damit wichtiger denn je.

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