US-Zoll-Investigations setzen europäische Medizintechnikbranche unter Druck
Takeaways NEW
- US-Zolluntersuchungen könnten zu erhöhten Zöllen auf europäische Medizintechnikprodukte führen.
- Siemens Healthineers und andere europäische Firmen sind von potenziellen Zollerhöhungen betroffen.
Das Schreckgespenst erhöhter Zölle seitens der USA lastet derzeit schwer auf der europäischen Medizintechnikbranche. Untersuchungen, die vom US-Handelsministerium in Auftrag gegeben wurden und Anfang des Monats begonnen haben, könnten zu einem Rat an den US-Präsidenten führen, strengere Einfuhrzölle für bestimmte Produkte zu empfehlen. Diese Möglichkeit hat die ohnehin schwache Investorenstimmung in der Medizintechnik weiter eingetrübt, bemerkt Veronika Dubajova von der Citigroup in einer Studie.
Vor allem Siemens Healthineers spürte die Auswirkungen und verzeichnete einen Rückgang von 4,6 Prozent, was das Unternehmen im Dax an die letzte Stelle rückte. Im MDax verloren Carl Zeiss Meditec rund 3 Prozent und Sartorius büßte 2,1 Prozent ein. Fresenius Medical Care und Qiagen, auf dem US-Markt stark vertreten, verzeichneten vergleichsweise geringe Rückgänge von 1,3 beziehungsweise 1,2 Prozent, während Fresenius selbst um 0,6 Prozent nachgab.
Obwohl die Ergebnisse der Untersuchungen noch nicht vorliegen, könnten besonders jene Unternehmen betroffen sein, die bisher durch spezielle Ausnahmeregelungen von Zöllen verschont geblieben sind, so Dubajova. Jefferies-Analysten stimmen zu, dass nun auch Firmen wie Coloplast und Convatec möglichen Zollauflagen ins Auge sehen. Diese Konzerne, deren Aktienkurse bisher weitgehend stabil waren, mussten zuletzt Kursverluste von vier beziehungsweise über fünfeinhalb Prozent hinnehmen.
Die Untersuchung stützt sich auf "Section 232", ein Gesetz aus den 1960er Jahren, das aktuell für die US-Zollpolitik von großer Bedeutung ist. Das Ziel: Die nationale Sicherheit vor importierten Gütern zu schützen. Sollten die Untersuchungen einen Sicherheitsrisiko ergeben, kann der US-Präsident Zollerhöhungen anordnen.
Im Rahmen eines bisherigen Deals mit der EU hatte die Trump-Regierung pauschale Zölle von 15 Prozent auf Einfuhren ausgehandelt, jedoch existieren Ausnahmen für bestimmte pharmazeutische Produkte. Nun steht infrage, ob mögliche Zölle nach Section 232 bestehende Regelungen überschreiben könnten. Besonders gefährdet erscheinen Unternehmen mit geringer Produktionspräsenz in den USA, wie die schwedische Elekta, die Hörgeräte-Anbieter GN und Demant sowie Siemens Healthineers. Dagegen sind Fresenius und Alcon laut Analysten vergleichsweise sicher.

