Chinas Wirtschaft verliert weiter an Schwung
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- Chinas Wirtschaftsdaten zeigen einen deutlichen Rückgang in der Industrieproduktion und im Einzelhandelsumsatz.
- Experten erwarten keine drastischen politischen Veränderungen oder wirtschaftlichen Turbulenzen in naher Zukunft.
Die neuesten Wirtschaftsdaten aus China werfen ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt derzeit konfrontiert ist. Im Oktober zeigte sich ein unerwartet deutlicher Rückgang der Industrieproduktion, die im Jahresvergleich nur um 4,9 Prozent zulegte. Noch im Vormonat verzeichnete die Industrie ein Wachstum von 6,5 Prozent, und Analysten hatten für Oktober mit 5,5 Prozent gerechnet. Diese Zahlen überraschen, da sie auf eine stärkere konjunkturelle Abkühlung hindeuten, als bislang erwartet. Auch im Einzelhandel sieht die Lage nicht rosig aus.
Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 2,9 Prozent, der niedrigste Zuwachs seit August 2024. Dies ist der fünfte Monat in Folge, in dem die Wachstumsraten rückläufig sind. Vergleichbare Rückschläge hatte es zuletzt während der Corona-Krise 2021 gegeben. Dabei ist der Einzelhandel ein entscheidender Indikator für den inländischen Konsum, ein wesentliches Element der volkswirtschaftlichen Dynamik. Insgesamt verliert Chinas Wirtschaft an Kraft.
Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal um 4,8 Prozent, nachdem es im zweiten Quartal noch um 5,2 Prozent angewachsen war. Auch der Außenhandel schwächelt: Die Exporte, sonst eine tragende Säule der chinesischen Wirtschaft, sind im Oktober unerwartet gesunken. Die Immobilienkrise belastet zusätzlich den privaten Konsum und stellt eine weiterhin ungelöste Herausforderung dar. Analyst Stephen Innes von SPI Asset Management zieht das Bild eines Drachens, der an Höhe verliert, sieht jedoch keinen Grund zur Panik. Er erwartet keine wirtschaftlichen Turbulenzen von gravierendem Ausmaß.
Vielmehr rechnet er mit einer temporären Flaute und glaubt nicht, dass Chinas Führung grundlegende politische Veränderungen vornehmen wird. Auch kurzfristige konjunkturelle Stützungsmaßnahmen werden derzeit nicht erwartet, könnten aber im nächsten Jahr notwendig werden.

